19.04.2012

bvse warnt vor Handelsbeschränkungen für Altpapier

Altpapierbranche zeigt sich in Düsseldorf selbstbewusst und gut aufgestellt

Düsseldorf. Altpapier ist nach wie vor der wichtigste Rohstoff für die Papierindustrie. Das stellte Reinhold Schmidt, bvse-Vizepräsident und Vorsitzender des Fachverbandes Papierrecycling vor den rund 600 Teilnehmern des 15. Internationalen Altpapiertages fest. Rückblickend war die Stimmung unter den Fachleuten aber nicht ungetrübt, denn das Jahr 2011 war für die Altpapierbranche nicht leicht. Auch die politischen Entwicklungen werden kritisch bewertet, so wird dem Kreislaufwirtschaftsgesetz  "starke kommunale Schlagseite" attestiert.

Die Branche selbst hatte 2011 zu kämpfen. Die Altpapierbestellungen waren ab dem Sommer verhalten. Die Vergütungen für Altpapier gerieten mehr und mehr unter Druck. Die Altpapiersammelmenge hingegen befand sich in Deutschland angesichts der sehr guten Produktionslage in Handwerk und Industrie auf unverändert hohem Niveau. Damit öffnete sich die Schere zwischen hohem Altpapieraufkommen und rückläufiger Nachfrage zunehmend. Der monatelange Sinkflug der Altpapiererlöse ging den Altpapierentsorgungsunternehmen an die Substanz. Dies verstärkte sich durch die parallel drastisch gestiegenen Kosten für Treibstoffe und Energie. Um kostendeckend arbeiten zu können drängte sich daher den Altpapierentsorgern die Notwendigkeit auf, ihre Altpapieranfallstellen teils mit ins Boot zu nehmen.

Das zeigen auch die Branchenkennzahlen: Der Altpapierverbrauch in der deutschen Papierindustrie belief sich im Jahr 2011 auf 16,02 Millionen Tonnen, dies waren 1,5 % weniger als in 2010. Die Produktion von Papier, Karton und Pappe blieb mit 22,69 Millionen Tonnen unter dem Volumen des Vorjahreszeitraums. Der Altpapier-Außenhandel wies für 2011 eine Zunahme der Altpapier-Einfuhren nach Deutschland auf. Ein Plus von rund 140 Tausend Tonnen ließ die eingeführte Gesamtmenge auf 4,09 Millionen Tonnen steigen. Mit Blick auf die Altpapier-Ausfuhr im gleichen Zeitraum in Höhe von 3,38 Millionen Tonnen war Deutschland per saldo also erneut Nettoimporteur von Altpapier.

Erst zum Jahresanfang 2012 zeichnete sich im Markt eine nennenswerte Besserung ab. Die Nachfrage nach Altpapier entwickelte sich wieder positiver. "Die Papierindustrie ist gut beschäftigt, dies gilt insbesondere für die Verarbeiter von braunem Altpapier", bestätigte Schmidt in Düsseldorf.

Mit Sorge beobachtet die Altpapierbranche jedoch, wie verschiedene EU-Länder Exportbehinderungen für Altpapier und Sekundärrohstoffe einführen. Solche Tendenzen zeigen sich in Spanien und auch in Italien. Schmidt warnte davor, den Handel mit dem weltweit benötigten Rohstoff Altpapier zu beschränken. "Solche Entwicklungen sind gefährlich und mahnen insoweit zu größter  Vorsicht. Massive Verwerfungen im Altpapiermarkt können die Folge sein und schon jetzt ist die Unsicherheit bei den Beteiligten erheblich. Wir müssen auf der Hut sein und klar Flagge bekennen für den freien Warenverkehr", betonte der bvse-Vizepräsident.

Schmidt wies darauf hin, dass die deutsche Altpapierbranche die Versorgung der Papierindustrie immer sichergestellt habe. Vor eben diesem Hintergrund sieht der Verband die aktuelle Konkurrenz durch Papierfabriken kritisch. Das Phänomen des Direktgeschäfts, so erläutert Schmidt, sei bei den gewerblichen Anfallstellen wie auch bei kommunalen Ausschreibungen festzustellen und man stelle sich schon die Frage, was eine Papierfabrik veranlasse, der Anfallstelle einen Preis zu zahlen, den ein Altpapierlieferant bei eben jener Fabrik nicht erlösen kann. Warum treibe ein Abnehmer den Altpapierpreis, dessen Höhe er gern kritisiert, selbst hoch, obwohl er seinen Rohstoff beim Altpapierentsorger günstiger einkaufen könnte?

Reinhold Schmidt: "Ein solches Vorgehen ist problematisch und dem gewachsenen, vertrauensvollen Miteinander von Lieferant und Abnehmer keinesfalls förderlich. So wie in der Vergangenheit und in der Gegenwart garantiert die Altpapierentsorgungswirtschaft der Papierindustrie auch für die Zukunft die Sicherstellung der Rohstoffversorgung in der bewährten, partnerschaftlichen Aufgabenteilung!"

Auch ein anderes Thema beschäftigt den bvse-Fachverband Papierrecycling. Die Dualen Systeme erheben einen Eigentumsanspruch am gesammelten Altpapier. Schmidt machte hingegen die Position des bvse deutlich: "Wir bezweifeln nachhaltig den aktuellen Eigentumsanspruch der Dualen Systeme an den Wertstoffen“. Er wies daraufhin, dass Prof. Dr. Walter Frenz in einem Gutachten schon im Jahre 2009 festgestellt hat, dass den Dualen Systemen rechtlich kein Eigentum an den PPK-Mengen zusteht.

Trotz aller Probleme und neuer Herausforderungen zeigte sich die Branche in Düsseldorf selbstbewusst und gut aufgestellt. "Es sieht nicht schlecht aus", so das Fazit von Reinhold Schmidt,  "auch wenn nicht alles eitel Sonnenschein ist."


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