Der bvse informiert den Mittelstand über Abfall, Sekundärrohstoffe, Recycling und Entsorgung.

Menu
Sie sind hier:

Abfall- und Ressourcenwirtschaft: Quo Vadis?

Ganz nach dem Motto ihres Sohnes: „Wer teilt gewinnt!“ hatte die Vorsitzende des bayerischen bvse-Landesverbandes, Christiane Neuhaus, für den diesjährigen Neujahrsempfang am 19. Januar nicht nur einen ganz besonderen Ort mit fantastischer Kulisse und Atmosphäre gewählt, sondern darüber hinaus auch ein hervorragendes Rahmenprogramm organisiert, das ihre über 70 Gäste und auch Festredner Christian Holzer einhellig begeisterte und auf eine Wiederholung in der Zukunft hoffen lässt.

170119 Christiane NeuhausChristiane Neuhaus, Vorsitzende bvse-Landesverband BayernNach einer romantischen Pferdeschlittenfahrt, die im tiefverschneiten Filzmoos in Österreich startete, ging es vor sternenklarer Alpenkulisse zum Abendempfang mit hervorragender Bewirtung und österreichischen Spezialitäten in die gemütliche Oberhofalm. Ein unvergesslicher Abend für Gäste und auch Gastgeberin Christiane Neuhaus, die ganz besonders herzlich dem ortsansässigen Unternehmerehepaar Martina und Matthias Moosleitner für seine engagierte Unterstützung dankte.

Der gesellige Abend wurde neben Networking aber vor allem auch genutzt, um auf die, wie bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock betonte, inhaltlich nahen Probleme und Sorgen die die Branche der beiden Nachbarländer vereint, einzugehen.

Das europäische Dilemma der unterschiedlichen Geschwindigkeiten zeigt sich nicht zuletzt in den Bereichen der Abfallwirtschaft sehr deutlich. Der Weg zu einer Eu-weit einheitlichen Ressourcen- und Recyclingwirtschaft ist trotz begrüßenswerter weitergehender Vorgaben im Ende 2015 vorgelegten Circular Economy Package noch weit, und auch in den nationalen Gesetzgebungen müssen noch wichtige Verordnungslücken geschlossen werden. „Wie auch immer man die gegenwärtigen Diskussionen zu Gesetzgebungen und Verordnungen bewertet – sie sind synonym für die Frage, in welche Richtung sich die Abfall- bzw. Ressourcenwirtschaft entwickeln möchte”, gab der Leiter des Amtes für Abfallwirtschaft im Österreichischen Bundesministerium für Umwelt, Dipl.- Ing. Christian Holzer, in seiner Festrede zur Jahresauftaktveranstaltung des bvse zu bedenken.

01 26 Christian HolzerChristian Holzer, Leiter des Amtes für Abfallwirtschaft im Österreichischen Bundesministerium für Umwelt„Österreich und Deutschland haben mittlerweile ein Niveau in der Abfallbewirtschaftung erreicht, um dass sie von vielen europäischen Nachbarländern beneidet werden. Europaweit landen insgesamt immer noch Millionen Tonnen unbehandelter Abfälle auf Deponien. Solange in den EU-Mitgliedsländern weiterhin diese großen Unterschiede hinsichtlich der abfallwirtschaftlichen Praxis bestehen, sind detailverliebte Diskussionen über Quoten und Berechnungsmethoden oder einzelner zu novellierender Richtlinien, so notwendig diese einzeln betrachtet auch sein mögen, eine Themenverfehlung“, betonte Holzer.

Aus Sicht des österreichischen Sektionschefs stellt die Ausweitung der Ökodesignrichtlinie im EU-Kreislaufwirtschaftspaket die wichtigste Grundlage für die Entwicklung der Abfallwirtschaft hin zu einer Ressourcenwirtschaft in Europa dar. Das ökologische Produkt-Design im Sinne eines Design-für-Recycling leistet hierzu einen großen Beitrag. Die Produktgestaltung richtet sich dabei ganz nach der Art und Weise wie die verschiedenen Materialien in einem Produkt verbunden werden, welche Materialien dort zum Einsatz kommen und wie funktionale Baugruppen und/oder besonders hochwertige Materialien entnommen werden können.

Derzeit findet Verwertung noch überwiegend auf der Ebene einfacher Grundmaterialien statt. Daneben nimmt die Aufbereitung zu (Sekundär-) Brennstoffen sowie die direkte thermische Verwertung einen breiten Raum ein. Solange Konsumprodukte Schadstoffe in relevanter Form enthalten, wird die thermische Behandlung von Sortierresten, nach Ansicht Holzers, bis auf weiteres auch noch ein fester Bestandteil einer nachhaltigen Abfallbewirtschaftung bleiben.

Auf der Ebene nationaler Gesetzgebung sehen sich die österreichische wie auch die deutsche Abfallwirtschaft mit vielen ähnlichen Problemen und Fragestellungen konfrontiert, stellte der österreichische Experte fest.

Vergleichbar mit den bundesdeutschen Bemühungen für eine sogenannte Mantelverordnung, die in Deutschland seit vielen Jahren auf sich warten lässt, war die österreichische Abfallwirtschaft in den letzten beiden Jahren von der sogenannten Recycling-Baustoffverordnung gebeutelt. Eine Verordnung, die nach ihrem Inkrafttreten am 01.01.2016 noch im selben Jahr aufgrund diverser politischer Querelen einer umfassenden Novelle unterzogen werden musste. Das Regelwerk befasst sich mit den Vorgaben für einen verwertungsorientierten Rückbau und Abbruch von Bauwerken sowie Mindestanforderungen für die Herstellung von daraus hergestellten Recyclingbaustoffen, bis hin zum Abfallende für mit Primärmaterialien vergleichbaren Materialien.

In Gebäuden bereitet die Verwendung von zunehmend komplexeren Verbundstoffen bei der späteren Bewirtschaftung der verbauten Ressourcen große Probleme. Aus Abbruchmaterialien wird man nur dann einen nachhaltigen Recyclingbaustoff gewinnen können, wenn eine Vermischung derselben mit in Bauwerken oftmals vorkommenden Schadstoffen  wie Asbest usw. durch einen verwertungsorientierten Rückbau vermieden werden kann. Über Tiefe und Art der Dokumentations- und Überwachungstiefe muss diskutiert werden – nicht aber über den Anspruch an sich, so Holzer.

Österreichischen Pragmatismus hob der Chef der Abfallsektion indes in Bezug auf die Lösung bei der Entsorgung HBCD-belasteter Dämmstoffe hervor. Anders als in Deutschland, wo die EU-Einstufung als POP-Abfall ab dem 01.10.2016, in der deutschen Bauwirtschaft aufgrund der gleichzeitigen Einstufung als gefährlicher Abfall zunächst zu einem mittelgroßen Entsorgungs-Chaos führte, blieb dies in Österreich aus. Dort sind organische Schadstoffe zwar ebenso gemäß POP-Verordnung thermisch zu zerstören, können aber als nicht gefährlicher Abfall auch in, dem Stand der Technik entsprechenden, Abfallverbrennungsanlagen für Siedlungsabfälle verbrannt werden.

Länderübergreifenden Handlungsbedarf sieht Holzer zum Thema Green Public Procurement. Die „öffentliche grüne Beschaffung“ wird aufgrund fehlender zwingender Vorgaben für die öffentlichen Auftraggeber, beispielsweise in Bezug auf den Einsatz hochwertiger Recycling-Baustoffe im Bereich des Straßenbaus, in beiden Ländern immer noch weitgehend stiefmütterlich behandelt, so der Sektionschef.

Icon Mitglieder Mitglied werden Presse top