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Frank Seubert, Thomas Braun (v.l.n.r.)

Frank Seubert, Thomas Braun (v.l.n.r.)

Neue Spitze des bvse-Fachverbandes Glasrecycling steht vor großen Herausforderungen

Eine Ergänzungswahl stand in der Mitgliederversammlung des bvse-Fachverbandes Glasrecycling zur diesjährigen bvse-Jahrestagung an.

Nach einstimmigem Ergebnis stellte bvse-Geschäftsführer Thomas Braun den Geschäftsführer der Reiling Glas Recycling GmbH & Co. KG  für das Amt des neuen Vorsitzenden fest. Zur Position des Stellvertreters gratulierte Braun dem geschäftsführenden Gesellschafter der MS Mayer Seubert Umweltservice GmbH, Frank Seubert.

Die neue Fachverbandsspitze Glasrecycling wird weiterhin von den Beisitzern Dr. Detlef Oertel (Dr. Detlef Oertel Consulting) und Stephan Müller (G.R.I.-Glasrecycling NV) unterstützt. Sowohl der bisherige Vorsitzende Marnix-Jan Oostrijck, als auch dessen Stellvertreter Daniel Rottwinkel, denen Braun herzlich für ihr erfolgreiches Engagement dankte, hatten sich für die Ehrenämter nicht mehr weiter zur Wahl gestellt.

Die Vielfalt an Themen, mit den sich der Fachverbandsvorstand in den nächsten beiden Amtsjahren auseinandersetzen muss, wird nicht weniger werden. Dies machte nicht nur Geschäftsführer Thomas Braun sondern auch die Berichte der eingeladenen Fachexperten zu aktuellen Marktgeschehen und zu Entwicklungen und deren Herausforderungen für die Branchenunternehmen deutlich. 
Burkhard Dreier, Ardagh-Group

So stehen die Glasrecycler, die in der Vergangenheit mit hohem unternehmerischen Risiko in State-of-the-art Aufbereitungstechnik, beispielsweise zur Ausschleusung von Fremdstoffen, investiert haben  trotz guter Erfolge hinsichtlich der Scherbenqualität weiter unter Druck. Dies bestätigten auch die anwesenden Vertreter der Ardagh Group, Burkhard Dreier und Hans Hilkes, die sich in  der zur führenden europäischen Glasindustrie gehörenden Unternehmensgruppe maßgeblich auch mit der Qualitätssicherung beschäftigen. „Wir sind auf einem guten Weg - die Qualität hat sich in den letzten 10 Jahren durch Investitionen und gute Zusammenarbeit erheblich verbessert. Dennoch sind die aus Deutschland erhältlichen Scherben, die in der Glasindustrie auch im Hinblick auf Umweltschutz und Energieeffizienz gerne in der Produktion eingesetzt werden, in der Qualität immer noch sehr unterschiedlich. Die Glasindustrie benötigt spezifikationsgerechte Scherbenqualität um beispielsweise störende Einschlüsse, die Glasbrüche in der Flaschenproduktion verursachen können und potenzielle Risiken für den Endverbraucher bergen, auszuschließen.  Um Qualität und Einsatzmöglichkeiten zu verbessern seien daher gemeinsame strukturierte Ansätze, ein gutes Qualitäts- und Kontrollmanagement und ein permanenter Dialog entlang der ganzen Lieferkette notwendig“, so die Glasexperten.

Eine große Herausforderung für die Glasaufbereiter stellt vor allem auch das steigende Bruchglasaufkommen durch häufige Glasumschläge mit entsprechend stärkerer Zersplitterung der Scherben an den Zwischenlagern dar. Diese sind vor allem den Umschlags- und Ausschreibungspraktiken der federführenden Dualen Systeme geschuldet, die beispielsweise in extremer Weise die Zuweisung der Sammelware aus den verschiedenen Sammelgebieten für die Aufbereitungsanlagen nach strenger Farbdifferenzierung festlegen. Auch findet die von Aufbereiterseite vorgeschlagene Begrenzung des Schüttgewichts auf maximal 450 kg/Gefäß in den Ausschreibungsunterlagen der Dualen Systeme nach wie vor keine Beachtung. In der Folge haben die Glasrecycler mit immer kleiner werdenden Korngrößen zu kämpfen, die die Sortierbarkeit in den Aufbereitungsanlagen erschweren und wiederum neue hohe Investitionen in entsprechende Technologien erfordert. Dies schlägt sich dann letztendlich auch in höheren Aufbereitungskosten nieder, klagen die Recycler.
Ullrich Didszun, PV Cycle Deutschland

Neben der Aufbereitung von Hohl- und Flachglas stellt sich für die Branchenunternehmen zukünftig auch die Frage nach der Aufbereitung ausgedienter Solarmodule. Obwohl durchschnittlich bis zu 80 Prozent aus Glas bestehend , fällt die Aufbereitung der PV-Module unter das Regime der WEEE2/ElektroG2 und stellt damit potenzielle Interessenten für die Aufbereitung dieses Materialstroms vor neue Herausforderungen. Durch zusätzlichen entstehenden Zertifizierungsaufwand und Anpassung an europäische Standards sei das Feld der Wettbewerber in dieser Sparte zurzeit noch sehr überschaubar, wußte Ullrich Didszun, Country Manager des führenden europäischen Rücknahmesystems für Solarmodule, PV CYCLE Deutschland zu berichten. Derzeit sind sowohl Erfassung und Entsorgung als auch Produkteinstufung und nicht zuletzt auch die Finanzierung der Rücknahme in den einzelnen europäischen Mitgliedsstaaten sehr unterschiedlich organisiert, so Didszun. Mit der aktuellen Technologie seien Materialanteile zwischen 80 bis 85 Prozent zwar gut recycelbar, für die übrigen 15-20 Prozent wurden zwar Recyclingtechnologien entwickelt, eine Umsetzung im industriellen Maßstab fehlt allerdings noch. Zurzeit bestehe für die deutschen Aufbereiter noch die Problematik, dass einem relativ hohen Organisationsaufwand relativ wenig Material entgegenstünde, so der Experte.

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