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Werner Steingass (li.) übernimmt von Reinhold Schmidt (re.)

Werner Steingaß wird zum Nachfolger von Reinhold Schmidt gewählt

Nach drei Amtsperioden als Vorsitzender des Fachverbandes Papierrecycling gab Reinhold Schmidt auf der Mitgliederversammlung im Rahmen der bvse-Jahrestagung bekannt, nicht weiter für das Amt zu kandidieren. Werner Steingaß hat in Bremen seine Nachfolge angetreten.

“Die Entscheidung fiel nicht leicht”, so Schmidt, jedoch wolle er im Sinne des Fachverbands auf der Grundlage eines personellen Wechsels die Möglichkeit zur Einbringung neuer Impulse in die Politik des Fachverbandsvorstandes geben.

Der geschäftsführende Gesellschafter des mittelständischen Entsorgungsunternehmens RKS-Recycling Karla Schmidt und anerkannte Experte im Altpapier-Export-Geschäft vertrat die Mitglieder des bvse mit Herzblut auch auf dem internationalen Parkett. Im Jahr 2013 wurde Schmidt zum Präsidenten der Fachsparte Altpapier im Bureau of International Recycling (BIR) gewählt, wo er sich vor allem der Aufgabe verschrieb, den Stellenwert der Altpapierwirtschaft weltweit auszubauen und künstlichen Barrieren gegenüber dem freien und fairen Handel von Altpapier entgegenzuwirken.

Unter großem Applaus der anwesenden Mitglieder und mit bewegten Worten dankte Geschäftsführer Thomas Braun dem scheidenden Vorsitzenden vor allem auch für dessen absolutes Vertrauen in ihn und seinen bedingungslosen Rückhalt, die die harmonische und fruchtbare Zusammenarbeit im Sinne der Mitglieder während der letzten 6 Jahre geprägt hatten.

“Die freie Handelbarkeit und die freie Verbringbarkeit der Verwertungsabfälle ist eine unverzichtbare Voraussetzung für die grenzüberschreitende Verwertung von Abfällen und damit für die Schaffung einer globalen Recyclinggesellschaft. Der bvse-Fachverband Papierrecycling wird auch in Zukunft sein Möglichstes tun, auf die Zementierung dieser Freiheiten hinzuwirken”, versprach Schmidt und wünschte seinem bisherigen Stellvertreter und in der Mitgliederversammlung einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählten Amtsnachfolger Werner Steingaß für seine weitere Arbeit viel Erfolg.

Gerade im Bereich der europäischen Abfallverbringung sogenannter grün gelisteter Abfälle, zu denen auch der für die Papierindustrie wichtigste Rohstoff Altpapier gehört, sind noch viele Hürden zu nehmen, wie der Geschäftsführer der Melosch Export GmbH, Andreas Otto und bvse-Justiziarin Miryam Denz-Hedlund berichteten. So kann bereits das “unkorrekte” Ausfüllen der im Annex VII im Feld 1 anzugebenden “die Verbringung veranlassende Person” für Unternehmen zum Fallstrick werden und zum Stopp des Abfalltransports oder gar hohen Bußgeldern führen, die die Unternehmen in existenzielle Schwierigkeiten bringen können. In Bezug auf die Frage, ob die Person, die die Verbringung veranlasst, ihren Sitz im Versandstaat haben muss, gibt es bundesweit unterschiedliche Sichtweisen der Behörden, die teilweise in erster Linie wohl darauf ausgerichtet ist, praktische Zugriffsprobleme zu vermeiden. “Eine Firma kann durchaus einen Transport organisieren, ohne die Verbringung veranlassende Person zu sein”, erklärten der Praktiker und die Juristin.

Um auf europäischer Ebene Qualitätssekundärrohstoffe zu erzeugen, die mit Primärrohstoffen konkurrieren und diese ersetzen können, müssen auch verlässliche Messmethoden gefunden werden, die festgelegte Qualitätsparameter sicher identifizieren. “Derzeit ist die Arbeitsgruppe CEN/TC-172 WG 2 der Europäischen Normierungsstelle dabei, Standards zur qualitativen Prüfung von Altpapier zu entwickeln, die genaue Messergebnisse für die gesicherte und objektive Einschätzung von Altpapierqualitäten liefern können”, berichtete der ERPA-Delegierte und bvse-Vorstandsmitglied im Fachverband Papier Andreas Uriel. Hauptanliegen sei, die Erfüllung der Qualitätsanforderungen der EN 643 des angebotenen oder gelieferten Altpapiers zu überprüfen und Abweichungen zu quantifizieren. Grundlegende Bedeutung kommt dabei der Festlegung von Spezifikationen sowohl für die maschinelle als auch manuelle Probenahme zu. “Eine wichtige und zugleich problematische Herausforderung, besonders für manuelle Auswertungsmethoden, ist hierbei die “zufällige” Auswahl der Muster”, so Uriel. Denn bereits bei der ersten visuellen Inaugenscheinnahme könne eine bewusste oder unbewusste Beeinflussung der Auswahl durch die probenehmende Person nicht ausgeschlossen werden. “Hierzu reichen bereits augenscheinliche Indizien wie etwa ein Stückchen Kunststofffolie, die zufällig aus einem Ballen herausragt aus”, erläuterte Uriel das Problem.

Einen weiteren Schwerpunkt der Arbeitsgruppe bildet die Bestimmung der Zusammensetzung von Altpapier im Hinblick auf die Vorgaben der EN 643. Hier hinein fließen sowohl die Festlegung sogenannter “accepted paper products” als auch die Prüfung von Grenzen für leichte und schwere Fremdstoffe “unwanted materials”, wie z. B. Textilien und Glas, die Findung praktikabler Lösungen für die Entwicklung von Labormustern für die Feuchtemessung, die Wahl der Probenahmemethode oder auch Fragen zur Dokumentation der Tests in einem Testreport. Geplant sei, bis Ende Oktober einen Entwurf für den Standard “Sampling” bei CEN zur Prüfung in den nationalen Normungsgremien abzugeben, so Uriel, der die Veröffentlichung erster Normierungsergebnisse zum nächsten bvse-Altpapiertag im März 2017 erwartet.

Die turnusmäßige Wahl des Fachverbandsvorstandes Papierrecycling in der Mitgliederversammlung brachte folgendes Ergebnis:

Vorsitzender: Werner Steingaß (uniroh GmbH)
Stellvertretender Vorsitzender: Olaf Schäfer (Collecta Rohstoff GmbH & Co. KG)

Beisitzer:
Sörn Krebs (SK Rohstoffhandel und Beratung GmbH)
Andreas Otto (KG Ludwig Melosch Vertriebs-GmbH & Co. KG)
Tanja Schmitz (A. & P. Drekopf GmbH & Co. KG)
Andreas Siepelt (Bartscherer & Co. Recycling GmH)
Dirk Voigt (Josef Bruckmann Entsorgung GmbH)

Weiterhin im Fachverbandsvorstand kooptiert bleibt Andreas Uriel (URIEL Papierrohstoffe GmbH). Aus dem Kreis der Junioren neu kooptiert wurde Leander Leins (Leins Aktenvernichtung GmbH).

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