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Mineralik: Marktbericht 2015/2016

Die Aussichten für Bauabfallentsorgung sind nach Meinung der Branche nach wie vor düster und lassen weitere Kostensteigerungen erwarten. Dies ergab eine Umfrage des bvse-Fachverbandes Mineralik – Recycling und Verwertung zum Geschäftsjahr 2015/2016 unter seinen rund 330 Mitgliedern.

Die Befragten schätzen, dass sich Preise für Entsorgung in diesem Jahr für Bodenmaterial der Klasse ZO bis Z2 um durchschnittlich 14,5 bis 20 Prozent verteuern werden; für Bauschutt schätzen sie eine Verteuerung um 13 bis 15,5 Prozent.

Schuld an der Misere sind nach Meinung der bvse-Mitgliedsunternehmen mehrere Faktoren. An vorderster Stelle steht dabei die derzeit herrschende Rechtsunsicherheit, da eine bundeseinheitliche Regelung für die Verwertung mineralischer Abfälle immer noch auf sich warten lässt. Derzeit dient der 3. Arbeitsentwurf der Mantelverordnung, der Ende Juli 2015 veröffentlicht wurde, als Grundlage für das Planspiel "Mantelverordnung". Dieses Planspiel befindet sich aktuell in der Arbeitsphase und untersucht die Auswirkungen der geplanten Regelungen, in dem verschiedene Szenarien "durchgespielt" werden.

Bei der Betrachtung möglicher Stoffstromverschiebungen aus der Verwertung hinein in die Deponierung werden dabei bisher aber insbesondere im Bereich der Verfüllung ausschließlich die Vorgaben der LAGA M20 TR Boden 2004 (nur Bodenmaterial bis max. Z 0/0*) mit den Anforderungen des 3. AE verglichen. Da beide Regelungen weitgehend identisch sind, gibt es im Ergebnis deshalb „theoretisch“ keine maßgeblichen Verschiebungen. „Theoretisch“ deshalb, weil dieser Ansatz die in vielen Bundesländern und nicht nur in Bayern geübte Praxis außer Acht lässt, die bis heute auch die Verfüllung anderer mineralischer Abfälle mit Belastungen von Z 1.1 bis Z 2 ermöglicht. Allein in Bayern werden laut der aktuellen Deponiebedarfsprognose bis zu 8,7 Mio. m³ Material zusätzlich in DK 0-Deponien entsorgt werden. Auch Brandenburg kommt in einem aktuellen Gutachten zu dem Schluss, dass ca. 1,3 von 1,9 Mio m³ Boden und Bauschutt jährlich nicht mehr in der Verfüllung verwertet werden können, sondern in Deponien abgelagert werden müssen.

Die mineralischen Bauabfälle bilden mit rund 200 Millionen Tonnen pro Jahr den mengenmäßig größten Abfallstrom in Deutschland. 57 Prozent davon entfallen auf Boden und Steine, 26,9 Prozent auf Bauschutt, 8 Prozent auf Straßenaufbruch und ca. 7,5 Prozent auf Baustellenabfälle. Bisher werden hiervon nur rund 8 Prozent auf Deponien beseitigt, immerhin bereits 35 Prozent recycelt und 57 Prozent des Gesamtaufkommens werden einer sonstigen Verwertung (z. B. Verfüllung) zugeführt.

Knapper werdende Verfüll- und Deponiekapazitäten sind ein weiterer Grund für die erwartete Verteuerung. Die befragten Mitglieder geben an, dass bei Bodenmaterial die Entfernung von der Bau- zur Entsorgungs- bzw. Verwertungsstelle bei der Klasse ZO/ZO* durchschnittlich 15 km, bei Z1.1 30 km, bei Z1.2 39 km und bei Z2 52 km beträgt. Ähnlich sieht es bei den Entsorgungs- und Verwertungswegen für Bauschutt aus. Material der Klasse Z1.1 muss durchschnittlich 16 km zur Entsorgungsstelle gefahren werden, Z1.2 29 km und Z2 ca. 49 km.

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