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Scharfe Kritik an Brüsseler Regulierungsplänen: Der weltweite Altpapiersektor forderte auf dem Weltrecycling-Kongress des Bureau of International Recycling (BIR) in Málaga eine Verschiebung des neuen EU-Digitalen Abfallverbringungssystems (DIWASS) um mindestens sechs Monate.

„Wir sprechen von einer Katastrophe und einem Desaster", sagte Francisco Donoso, Präsident der BIR-Papier-Division und Geschäftsführer des spanischen Unternehmens DOLAF Servicios Verdes.

Der Ernst der Lage: ein System ohne Abnehmer

DIWASS gilt seit dem 21. Mai und ab dem 31. Dezember 2026 müssen alle Akteure entlang der Altpapier-Lieferkette – auch in Drittländern, deren Sendungen die EU berühren – registriert sein und das System nutzen. Doch genau dort liegt das Problem: Von mehr als 1.000 Papierfabriken in Asien haben sich laut Donoso nur einige Dutzend registriert. In wichtigen Abnehmerländern wie Indien, Thailand und Malaysia fehle vielerorts schlicht das Bewusstsein für die neue Pflicht.

Träfe die Frist unverändert durch, könnte Europa den Überschuss an Altpapier nicht mehr absetzen. Der Sektor exportiert jährlich 6 bis 8 Millionen Tonnen mehr, als der europäische Markt aufnehmen kann. Fiele dieser Absatz weg, droht ein Preisverfall – bis hin zur Schließung von Sortier- und Verwertungsunternehmen. Auch Kommunen wären betroffen: Verliert gesammeltes Altpapier seinen Wert, geraten Sammlung und Sortierung wirtschaftlich unter Druck; das Material müsste schließlich deponiert oder verbrannt werden.

„Wir sind keine Zauberer"

Die Kritik der Branche richtet sich nicht gegen Umweltschutz, sondern gegen die Praxis der Regulierung. Marc Ehrlich, CEO des Schweizer Unternehmens Vipa Lausanne, beklagte operative Hürden: So verlange DIWASS, „zwei Tage im Voraus exakt zu deklarieren, wie wir verladen werden – wir sind keine Zauberer". Die neue EU-Abfallverbringungsverordnung (WSR) verschärfe die Lage zusätzlich: Ab dem 21. Mai 2027 müssen Fabriken, die europäische Sekundärrohstoffe empfangen, auditiert werden und „gleichwertige" europäische Standards nachweisen.

Gerade kleinere Fabriken in Indien verfügen nach Angaben des britischen Händlers Ranjit Baxi (J & H Sales International) häufig weder über Abwasserbehandlung noch über Biodigestoren – bestünden sie das Audit nicht, entfiele eine ganze Reihe von Absatzwegen. Baxi sagte für den Fall einer Exportblockade eine „Lieferkettenkrise für Papierfabriken ganz Asiens" voraus. Länder wie Indonesien und Malaysia hätten ohnehin eigene Umwelt- und Importkontrollen. „Warum legen wir Regeln für etwas fest, das sie bereits prüfen?", fragte Simone Scaramuzzi, Einkaufsdirektor des italienischen Händlers LCI.

Marktlogik gegen Bürokratie

Der Vorwurf der Branche: Brüssel reguliere einen funktionierenden Rohstoffmarkt mit einem Instrument, das für die Bekämpfung illegaler Müll Exports gedacht war. Dominique Maguin, Gründer der französischen La Compagnie des Matières Premières und Ehrenpräsident des BIR, nannte die Exportbeschränkung „völlig inakzeptabel": „Wir exportieren nicht aus Vergnügen, sondern weil der europäische Markt zu klein ist, um alles zu konsumieren, was wir produzieren."

Die Zahlen geben der Branche recht: Von weltweit rund 420 Millionen Tonnen Papier- und Kartonproduktion fließen 245 Millionen Tonnen Sekundärrohstoffe zurück in die Produktion – eine Einsatzquote von 55 Prozent. Ein Stopp dieses Stoffstroms trifft die Herstellung neuen Papiers und damit die globale Kreislaufwirtschaft. 

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