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ArcelorMittal will seine Produktion am Standort Duisburg grundlegend umbauen. Nach dem Auslaufen der Roheisenlieferungen von Thyssenkrupp Steel im September 2027 sollen das Stahlwerk und das Knüppelwalzwerk geschlossen werden.

Das Drahtwalzwerk soll dagegen weiterbetrieben und künftig mit Halbzeugen aus anderen Werken versorgt werden. Für die Beschäftigten soll im September 2026 der Sozialdialog über einen Sozialplan beginnen.

ArcelorMittal zieht Konsequenzen aus dem bevorstehenden Ende der Roheisenversorgung seines Duisburger Werks. Das Unternehmen plant, die eigene Stahl- und Knüppelproduktion am Standort einzustellen und sich künftig auf das Walzen von Draht zu konzentrieren. Die Umsetzung steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Aufsichtsrats von ArcelorMittal Duisburg.

Auslöser ist die Beendigung des Roheisenliefervertrags mit Thyssenkrupp Steel. Bereits im Dezember 2024 hatte ArcelorMittal angekündigt, den Vertrag mit Wirkung zum September 2027 zu kündigen. Als Grund nannte das Unternehmen erhebliche Kostensteigerungen, die mit der vorgeschlagenen Verlängerung des Liefervertrags verbunden gewesen seien.

Nach eigenen Angaben hat ArcelorMittal seitdem verschiedene Alternativen für die künftige Versorgung mit Roheisen geprüft. Auch Möglichkeiten zur Dekarbonisierung der Stahlproduktion in Duisburg seien untersucht worden. Keine der betrachteten Optionen habe sich jedoch als wirtschaftlich tragfähig erwiesen.

Duisburg soll künftig Halbzeuge verarbeiten

Damit zeichnet sich für den Standort ein grundlegender Wechsel des Produktionsmodells ab. Anstatt Stahl und die für das Drahtwalzwerk benötigten Knüppel selbst herzustellen, sollen die Halbzeuge künftig aus anderen Werken angeliefert werden.

Nach Angaben des Konzerns können mehrere ArcelorMittal-Standorte sowie externe europäische Hersteller den Großteil des Duisburger Bedarfs decken. Eine besondere Rolle könnte dabei das Werk in Hamburg spielen. Dort produziert ArcelorMittal Stahl über die Direktreduktion von Eisenerz und einen Elektrolichtbogenofen (DRI-EAF). Die von dort gelieferten Halbzeuge sollen einen geringeren CO₂-Fußabdruck aufweisen.

Das Duisburger Drahtwalzwerk soll auf diese Weise auch über September 2027 hinaus weiterbetrieben werden. ArcelorMittal betont, die Belieferung seiner Kunden kontinuierlich aufrechterhalten zu wollen.

Die Neuordnung hat zugleich Auswirkungen auf die Lieferströme innerhalb des Konzerns. Bislang ist Duisburg der Hauptlieferant von Halbzeugen für das französische ArcelorMittal-Werk in Gandrange. Künftig soll Gandrange die benötigten Knüppel von mehreren anderen Standorten des Konzerns sowie von externen Lieferanten beziehen.

Sozialplan für Beschäftigte angekündigt

Mit der geplanten Stilllegung von Stahlwerk und Knüppelwalzwerk sind auch Konsequenzen für die Beschäftigten verbunden. Wie viele Arbeitsplätze konkret betroffen sein werden, teilte ArcelorMittal zunächst nicht mit. Der Sozialdialog über einen Sozialplan für die Duisburger Beschäftigten soll im September 2026 beginnen.

ArcelorMittal verweist zur Begründung der Neuaufstellung auch auf die schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen für die europäische Stabstahlindustrie. Zu den strukturellen Problemen zählt der Konzern eine geringe Kapazitätsauslastung, sinkende Nachfrage in Europa, eingeschränkte Exportmöglichkeiten und hohe Energiekosten.

„Die strukturellen Herausforderungen, denen sich der Stabstahlsektor in Europa gegenübersieht, sind erheblich“, erklärte Sanjay Samaddar, CEO von ArcelorMittal Europe – Long Products. Vorrangiges Ziel sei es nun, die langfristige Zukunft des Duisburger Standorts zu sichern. Die Versorgung des Drahtwalzwerks mit zugekauften Halbzeugen solle gewährleisten, dass die Kunden auch nach September 2027 weiter beliefert werden können.

Weiterverarbeitung statt eigener Stahlerzeugung

Mit dem geplanten Umbau würde sich die Wertschöpfungstiefe von ArcelorMittal in Duisburg deutlich reduzieren. Während das Drahtwalzwerk erhalten bleiben soll, würden mit dem Stahlwerk und dem Knüppelwalzwerk zwei vorgelagerte Produktionsstufen entfallen. Duisburg würde damit von einem integrierten Produktionsstandort stärker zu einem Weiterverarbeitungsstandort für extern erzeugte Halbzeuge.

Die Entscheidung verdeutlicht zugleich den wirtschaftlichen Druck, unter dem die europäische Stahlindustrie steht. Hohe Energie- und Transformationskosten treffen auf eine schwache Nachfrage und internationale Konkurrenz. Im Fall Duisburg haben sich nach Angaben von ArcelorMittal weder eine alternative Roheisenversorgung noch Investitionen in eine Dekarbonisierung der dortigen Stahlerzeugung als wirtschaftlich tragfähig erwiesen.

Für den Standort beginnt damit spätestens 2027 eine neue Phase: Die eigene Stahlerzeugung soll enden, die Produktion von Walzdraht dagegen mit zugelieferten Knüppeln fortgeführt werden.

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