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Während die EU den Einsatz von Recyclingkunststoffen steigern will, fehlen den Unternehmen die Absatzmärkte. Auf dem NABU-Dialogforum Kreislaufwirtschaft am 14. Oktober in Berlin warnte bvse-Expertin Anna Roeb vor einem weiteren Verlust europäischer Recyclingkapazitäten.

1022 anna roeb bvsebvse-Expertin Anna Roeb warnte in Berlin vor einem weiteren Abbau von Recyclingkapazitäten.Unter dem Titel „Kunststoffrezyklat – wohin des Weges?“ diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Recyclingbranche und Umweltverbänden über die Zukunft des Kunststoffrecyclings.

Anna Roeb, Referentin beim bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung, rückte dabei die wirtschaftliche Situation der Recyclingunternehmen in den Mittelpunkt. Ihr Befund: Recyclingkapazitäten und technisches Know-how sind vorhanden, doch der Absatz der erzeugten Rezyklate bleibt unsicher.

Preiswettbewerb belastet Recyclingunternehmen

Ein zentrales Problem ist der Preiswettbewerb zwischen Kunststoffneuware und Rezyklaten. Während die Recyclingkosten unter anderem durch Sammlung, Sortierung, Aufbereitung und Energieverbrauch bestimmt werden, hängen die Neuwarepreise stark von den internationalen Rohstoffmärkten ab.

Wie stark die Preisunterschiede schwanken, verdeutlichte Roeb anhand von ICIS-Marktdaten. Demnach lag der Preisabstand zwischen Neuware und recyceltem HDPE im August 2026 bei 125 Euro je Tonne. Anfang des Jahres hatte die Differenz aufgrund der geopolitischen Lage zeitweise 1.140 Euro je Tonne erreicht.

Diese Preisschwankungen erschweren die Kalkulation und Investitionsplanung der Recycler. Der bvse fordert deshalb, die Nachfrage nach Rezyklaten stärker von der Ölpreisentwicklung zu entkoppeln.

Europa verliert Recyclingkapazitäten

Die wirtschaftlichen Folgen sind bereits sichtbar. Nach Angaben von Plastics Recyclers Europe hat die europäische Recyclingbranche innerhalb von drei Jahren rund eine Million Tonnen Recyclingkapazität verloren. Gleichzeitig sank der Branchenumsatz 2024 um 5,5 Prozent.

Roeb warnte, dass stillgelegte Anlagen und verlorenes Know-how nicht kurzfristig ersetzt werden können. Damit droht die industrielle Basis für die Umsetzung der europäischen Recyclingziele zu schrumpfen.

Zugleich wächst die Bedeutung von Importen. Nach Zahlen von Plastics Europe wurden 2024 in Europa rund 8,7 Millionen Tonnen zirkuläre Kunststoffe produziert. Das entsprach 15,8 Prozent der gesamten Kunststoffproduktion. Gleichzeitig deckten Importe 19 Prozent der Nachfrage europäischer Verarbeiter nach zirkulären Kunststoffen.

Für den bvse stellt sich damit auch die Frage, wo die Wertschöpfung künftig stattfindet. Roeb forderte gleiche Standards für europäische und importierte Materialien sowie wirksame Kontrollen und nachvollziehbare Nachweise.

Besonders kritisch ist die zeitliche Lücke zwischen der aktuellen Marktsituation und den künftigen gesetzlichen Anforderungen. Mit der europäischen Verpackungsverordnung (PPWR) werden ab 2030 verpflichtende Mindestrezyklatanteile für bestimmte Kunststoffverpackungen wirksam.

Die Recyclingunternehmen müssen jedoch bereits heute über Investitionen entscheiden. Fehlender Absatz drückt auf die Margen, Investitionen werden verschoben und Kapazitäten stillgelegt. Steigt die Nachfrage erst mit Inkrafttreten der gesetzlichen Quoten, könnten die dafür benötigten Anlagen bereits fehlen. Roeb machte deshalb deutlich, dass die Branche schon jetzt verlässliche Marktsignale benötigt.

bvse fordert größere Bedeutung von Rezyklaten bei öffentlicher Beschaffung

Um den Recyclingmarkt zu stabilisieren, fordert der bvse verbindliche Rezyklateinsatzquoten, eine stärkere Nachfrage durch die öffentliche Beschaffung, Ökomodulierung für den Rezyklateinsatz und verlässliche Abnahmebedingungen. Hinzu kommen wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Bürokratie und Planungssicherheit für Investitionen.

Gleichzeitig müssen hochwertige Sammlung und Sortierung sowie recyclinggerechtes Produktdesign die Qualität der eingesetzten Abfallströme verbessern.

Anna Roeb fasste die zentrale Herausforderung mit den Worten zusammen: „Das Angebot ist da – jetzt braucht es Nachfrage.“ Ob Europa seine Recyclingziele erreicht, hängt damit auch davon ab, ob es gelingt, die bestehenden Kapazitäten wirtschaftlich abzusichern und Investitionen in den Ausbau des Kunststoffrecyclings anzustoßen.

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