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„Steigende Entsorgungskosten und fehlende Behandlungskapazitäten würden die betriebliche Planung erschweren“, erklärt der Fachverbandsvorsitzende Werner Schmidt (Hans Schmidt GmbH & Co. KG).

1020 werber schmidt bvseWerner Schmidt und Anna Roeb bei der Mitgliederversammlung des bvse-Fachverbandes SonderabfallwirtschaftDie Auswirkungen träfen nicht nur die Entsorgungsunternehmen, sondern auch die abfallerzeugende Industrie. Schmidt sieht die Politik deshalb in der Pflicht: „Da gibt es jetzt Handlungsbedarf. Abwarten ist keine Option mehr.“

Wegfall von Entsorgungskapazitäten birgt wirtschaftliche Risiken

Besonders kritisch bewertet der bvse den absehbaren Wegfall der Sonderabfallentsorgungsanlage in Herten. Nach aktuellem Stand soll der Betrieb doch schon vor Ende 2028 eingestellt werden. Ob andere Standorte die wegfallenden Kapazitäten vollständig ersetzen können, ist bislang offen.

Sollten ausreichende Alternativen fehlen, drohen längere Transportwege, höhere Entsorgungskosten und Engpässe bei der Behandlung gefährlicher Abfälle. Für industrielle Abfallerzeuger könnte dies erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Sie sind auf verlässliche Entsorgungswege angewiesen, um Produktionsabläufe sicherzustellen und Kosten kalkulieren zu können.

Der bvse fordert Bund und Länder deshalb auf, den künftigen Kapazitätsbedarf frühzeitig zu prüfen und die Voraussetzungen für notwendige Investitionen zu schaffen. Neue Behandlungsanlagen erfordern erhebliche finanzielle Mittel sowie lange Planungs- und Genehmigungszeiten. Wegfallende Infrastruktur lässt sich daher nicht kurzfristig ersetzen.

Gemeinsam mit weiteren Akteuren bereitet der Fachverband nach Angaben von bvse-Referentin Anna Roeb ein Schreiben an politische Entscheidungsträger vor, um auf die drohenden Engpässe und den Handlungsbedarf aufmerksam zu machen.

Bergversatz: Aufwendige Genehmigungen erschweren die Planung

Handlungsbedarf sieht der bvse auch bei den bergrechtlichen Zulassungsverfahren für Versatzbaustoffe aus mineralischen Abfällen. Komplexe Verfahren verursachen Kosten, binden personelle Ressourcen und erschweren Unternehmen die langfristige Planung.

Die Arbeitsgruppe Deponierung und Bergversatz des Fachverbandes beschäftigt sich deshalb mit Vorschlägen zur Verfahrensvereinfachung, die Dr. Dietrich Lack von der K-UTEC AG SALT TECHNOLOGIES 2024 und 2025 erarbeitet hat.

Ziel sind effizientere und besser planbare Zulassungsverfahren bei unverändert hohen Umwelt- und Sicherheitsstandards. Nachdem vorgesehene Fachgespräche bislang nicht zustande gekommen sind, will der bvse seine Vorschläge nun unmittelbar mit den zuständigen Bergbehörden und Umweltministerien erörtern, kündigte Anna Roeb an.

Neue Umweltvorschriften erhöhen den Verwaltungsaufwand

Zusätzliche Belastungen erwartet die Branche durch die nationale Umsetzung der novellierten europäischen Industrieemissionsrichtlinie (IED 2.0). Zu den neuen Anforderungen gehören unter anderem Umweltmanagementsysteme und Chemikalienverzeichnisse.

Kritisch bewertet der bvse insbesondere die vorgesehene öffentliche Zugänglichkeit chemikalienbezogener Informationen. Der Verband befürchtet Konflikte mit dem Schutz von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen und fordert eine verhältnismäßige Umsetzung, die unnötige Bürokratie und zusätzliche Kosten vermeidet.

Probleme bereitet nach Verbandsangaben auch die Digitalisierung grenzüberschreitender Abfalltransporte. Seit dem 21. Mai 2026 ist die Nutzung des elektronischen Systems DIWASS verpflichtend. Allerdings fehlen bei den zuständigen Behörden teilweise noch die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für eine reibungslose Abwicklung.

Verzögerungen können Transportplanung und Entsorgungslogistik beeinträchtigen und damit zusätzliche Kosten verursachen. Der bvse fordert funktionsfähige digitale Verfahren und praktikable Übergangslösungen.

Altölwirtschaft befürchtet höhere Aufbereitungskosten

Auch die Altölaufbereitung steht vor möglichen zusätzlichen Belastungen. Die EU-Kommission hatte 2025 vorgeschlagen, den PCB-Grenzwert auf 0,2 Milligramm je Kilogramm abzusenken. Der bvse-Ausschuss Altöl, unter Führung von Guido Schmidt, KS-Recycling GmbH & Co. KG, sprach sich dagegen für 10 Milligramm je Kilogramm aus. Inzwischen wird auf europäischer Ebene ein Grenzwert von 2,5 Milligramm je Kilogramm diskutiert, den der Verband ebenfalls für zu niedrig hält.

Neben strengeren Grenzwerten könnte eine neue Messmethode die Kosten erhöhen. Sie würde zusätzlichen analytischen und organisatorischen Aufwand verursachen. Gemeinsam mit dem BVA und GEIR hat der bvse dazu eine Stellungnahme erarbeitet.

Parallel setzt sich der Fachverband für eine Verbesserung des BAFA-Mengenstrommonitorings zum Schmierstoffabsatz ein. Verlässlichere Marktdaten sollen die Planung von Altölerfassung und Aufbereitungskapazitäten erleichtern.

Aus Sicht des bvse zeigen die Entwicklungen, dass die Leistungsfähigkeit der Sonderabfallwirtschaftsbranche durch immer mehr politische und regulatorische Entscheidungen zunehmend gefährdet wird. "Die Unternehmen sind an ihrer Belasungsgrenze, deshalb muss die Politik endlich gegensteuern", fordert bvse-Fachverbandsvorsitzender Werner Schmidt eindringlich.

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