Der bvse informiert den Mittelstand über Abfall, Sekundärrohstoffe, Recycling und Entsorgung.

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Der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung hat die Umwelt- und Wirtschaftsministerien der Bundesländer in einem Schreiben aufgefordert, gemeinsam mit den Kommunen eine befristete Überbrückungsfinanzierung von mindestens fünf Cent je Kilogramm gesammelter Alttextilien bereitzustellen. Damit sollen die wirtschaftlich bedrohten Sammel- und Sortierstrukturen bis zur Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) im April 2028 gesichert werden. 

0603 rehbock bvseOhne kurzfristige Unterstützung drohen weitere Betriebsaufgaben und Lücken in der Alttextilerfassung, mit fatalen Folgen für die Kreislaufwirtschaft, warnt bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock.

Sinkende Qualitäten und Absatzprobleme verschärfen die Krise

Die wirtschaftliche Lage der Alttextilsammler hat sich weiter zugespitzt. Fast- und Ultra-Fast-Fashion beeinträchtigen die Qualität der Sammelware und drücken die Verkaufserlöse. Gleichzeitig belasten steigende Kosten für Sammlung, Sortierung und die Entsorgung nicht verwertbarer Bestandteile die Unternehmen. 

Hinzu kommen Absatzprobleme auf internationalen Märkten. Der Ukrainekrieg hat etablierte Exportwege beeinträchtigt. Auch die Spannungen zwischen den USA und dem Iran gefährden wichtige Absatzmärkte im Nahen Osten.

Für viele Betriebe entsteht dadurch eine Finanzierungslücke, die sie aus eigener Kraft nicht mehr schließen können, macht der Hauptgeschäftsführer des bvse-Recycling Germany, Eric Rehbock, deutlich.

Rehbock warnt vor Verlust der Sammelinfrastruktur

„Die Alttextilsammlung steht am Kipp-Punkt. Wir können nicht bis 2028 warten und zusehen, wie die Alttextilsammlung wirtschaftlich zusammenbricht. Wenn mittelständische Sammel- und Sortierbetriebe jetzt aufgeben müssen, verlieren wir eine Infrastruktur, die für die textile Kreislaufwirtschaft unverzichtbar ist. Was heute wegbricht, lässt sich später nur mit erheblichem finanziellem und organisatorischem Aufwand wieder aufbauen. Zugleich besteht die Gefahr, dass künftig noch mehr Alttextilien verbrannt werden. Das wäre ein fatales Signal für die deutsche Kreislaufwirtschaft“, warnt Rehbock.

bvse fordert Sofortmaßnahmen der Länder

Um weitere Betriebsaufgaben zu verhindern, fordert der bvse in seinem Schreiben eine befristete Überbrückungsfinanzierung von mindestens fünf Cent je Kilogramm gesammelter Alttextilien. Die von Ländern und Kommunen bereitgestellten Mittel müssten gezielt bei den Unternehmen ankommen, die die Kosten für Sammlung, Sortierung und Entsorgung tragen. Eine konkrete Maßnahme hierzu sollte unter anderem die kostenfreie Annahme von Fremd- und Störstoffen aus der Alttextilsammlung an kommunalen Betriebs- und Wertstoffhöfen sein.

Darüber hinaus drängt der Verband auf ein bundesweit abgestimmtes Vorgehen: Die Umwelt- und Wirtschaftsressorts der Länder sollen sich kurzfristig mit der Finanzierungskrise befassen und gemeinsam mit dem Bund eine tragfähige Übergangslösung entwickeln.

Der bvse verweist zudem auf finanzielle Unterstützungsmaßnahmen für die Alttextilsammlung in anderen europäischen Ländern. Ohne vergleichbare Hilfen bestehe die Gefahr zusätzlicher Wettbewerbsnachteile für deutsche Sammelunternehmen im europäischen Binnenmarkt. „Um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten, muss auch Deutschland jetzt handeln“, fordert Rehbock.

Der bvse appelliert an die Landesregierungen, kurzfristig Maßnahmen zur Stabilisierung der Alttextilsammlung zu ergreifen. Andernfalls drohe der weitere Verlust von Sammel- und Sortierkapazitäten, die auch für das künftige System der erweiterten Herstellerverantwortung unverzichtbar seien.

Nach der novellierten EU-Abfallrahmenrichtlinie müssen die Mitgliedstaaten bis zum 17. April 2028 Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien einrichten. Hersteller sollen künftig unter anderem die Kosten für Sammlung, Sortierung und Behandlung von Alttextilien tragen.

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