Der bvse informiert den Mittelstand über Abfall, Sekundärrohstoffe, Recycling und Entsorgung.

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Einblick in großtechnische Sortierprozesse bei Hündgen Entsorgung

Wie sieht Abfallwirtschaft dort aus, wo sie tagtäglich praktiziert wird? Darauf gab die erste „Tour de déchets“ im Juli 2026 anschauliche und aufschlussreiche Antworten. 

Denn wer neue Qualifizierungsangebote für die Branche entwickeln will, muss die betriebliche Praxis aus nächster Nähe kennen. Elf Teilnehmende aus dem Umfeld der Ruhr-Universität Bochum (RUB), des bvse e.V. und der XRbit gUG besuchten innerhalb von drei Tagen verschiedene Stationen der Entsorgungs- und Kreislaufwirtschaft – von der Sammlung über die Sortierung bis zur thermischen Verwertung.

Die Exkursion machte sichtbar, dass Theorie und Praxis in der Abfallwirtschaft untrennbar zusammengehören. Wer über die Zukunft von Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz und Weiterbildung in diesem Feld nachdenkt, braucht den Blick in die reale betriebliche Praxis. Denn erst vor Ort wird erkennbar, wie technische Systeme, Materialströme und organisatorische Abläufe ineinandergreifen – und an welchen Stellen neue Konzepte ansetzen können.

Stationen der Tour

Der Auftakt führte am 17. Juli zur FAUN Umwelttechnik nach Herne. Dort standen gängige und modernste Fahrzeuge sowie Aufbauten für die Abfallsammlung im Mittelpunkt. Schon an dieser ersten Station wurde deutlich, dass die Sammlung selbst ein hochspezialisiertes Feld ist: Technik, Ergonomie, Effizienz und Logistik entscheiden mit darüber, wie gut nachgelagerte Prozesse überhaupt funktionieren können.

Anschließend ging es zum EKOCityCenter der USB Bochum in Bochum-Stahlhausen. Hier wurde die Sortierung und Aufbereitung von Sperrmüll aus mehreren Städten und Kreisen der Region vorgestellt. Die Anlage zeigte eindrucksvoll, wie wichtig differenzierte Trenn- und Aufbereitungsprozesse sind, wenn aus komplexen Abfallgemischen wieder verwertbare Stoffströme entstehen sollen.

0817 ThinkCircular Reiling HolzExkursion zu Reiling Holz Recycling in BönenAm 20. Juli standen zwei weitere Perspektiven auf dem Programm: Bei der AMK – Abfallentsorgungsgesellschaft des Märkischen Kreises – wurde die thermische Verwertung von Abfällen verschiedener Provenienz zur Erzeugung von Strom und Fernwärme vorgestellt. Bei Reiling Holz Recycling in Bönen ging es dagegen um die Sortierung und Aufbereitung von Holzabfällen zur Nutzung als Sekundärrohstoff. Beide Besuche verdeutlichten, dass moderne Abfallwirtschaft immer mit der Frage verbunden ist, wie Stoffe und Energie möglichst sinnvoll im Kreislauf gehalten oder genutzt werden können.

Der dritte Exkursionstag führte nach Köln-Porz und Köln-Niehl sowie nach Swisttal. Bei REMEX stand die fachgerechte Entsorgung mineralischer Abfälle und deren Aufbereitung für das Recycling im Mittelpunkt. Die AVG Köln zeigte die thermische Verwertung von Siedlungsabfällen, während Hündgen Entsorgung mit einer innovativen Sortieranlage für Leichtverpackungen aus dem Gelben Sack beziehungsweise der Gelben Tonne einen Einblick in großtechnische Sortierprozesse für rund drei Millionen Haushalte bot. Damit spannte die Tour einen Bogen über zentrale Bereiche heutiger Entsorgungspraxis.

Warum solche Exkursionen mehr sind als Betriebsbesuche

Die Teilnehmenden kamen nicht nur aus dem vom bvse begleiteten Forschungsprojekt „Think!Circular“, sondern auch aus weiteren Projekten der RUB, die sich mit der Kreislaufwirtschaft auseinandersetzen.Gerade für solche Vorhaben ist die Verbindung von Beobachtung und Reflexion entscheidend: Ohne praktische Anschauung bleibt Theorie abstrakt, ohne theoretische Einordnung bleibt Praxis punktuell.

Die erste „Tour de déchets“ hat deshalb mehr geleistet als die bloße Besichtigung einzelner Anlagen. Sie hat gezeigt, dass sich tragfähige Theorien für die zukünftige Abfallentsorgung aus der genauen Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Praxis entwickeln. Wer Anlagen sieht, Prozesse versteht und mit Akteurinnen und Akteuren vor Ort ins Gespräch kommt, erkennt nicht nur den Stand der Technik, sondern auch Entwicklungsbedarfe, Schnittstellenprobleme und Innovationspotenziale.

Impulse für die Zukunft

Gerade in einer Zeit, in der Kreislaufwirtschaft zunehmend als Leitbild für nachhaltiges Wirtschaften verstanden wird, gewinnen solche Praxisformate an Bedeutung. Sie schärfen den Blick dafür, dass die Zukunft der Abfallentsorgung weder allein im technischen Fortschritt noch allein in theoretischen Modellen liegt, sondern in ihrer sinnvollen Verknüpfung.

Über Think!Circular
Think!Circular ist ein zweijähriges Bildungsprojekt zur praxisnahen Vermittlung der Kreislaufwirtschaft. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Rohstoffe, Produkte und Materialien möglichst lange im Wirtschaftskreislauf gehalten, wiederverwendet und hochwertig recycelt werden können.

Dafür werden digitale und analoge Bildungsformate zusammen mit dem bvse e.V. entwickelt: Darunter eine mobile Wanderausstellung, interaktive VR- und AR-Anwendungen, spielerische Lernformate sowie Unterrichts- und Workshopmaterialien. An konkreten Stoff- und Produktkreisläufen werden Zusammenhänge zwischen Rohstoffgewinnung, Produktion, Nutzung, Wiederverwendung und Recycling anschaulich vermittelt. Ziel ist es, Kreislaufwirtschaft nicht nur theoretisch zu erklären, sondern erlebbar und auf konkrete berufliche und alltägliche Handlungsmöglichkeiten übertragbar zu machen.

Das Projekt “Think!Circular” wird im Rahmen des Programms “Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.

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