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Die Göppinger Unternehmensgruppe „DU: Willkommen in der Umwelt" hat auf dem Betriebshof in Ebersbach (an der Fils) eine neue Pyrolyseanlage in Betrieb genommen. Es ist die dritte Anlage der Gruppe zur Herstellung von Pflanzenkohle – nach zwei bestehenden Einheiten in Eislingen. Investiert wurde rund eine Million Euro.

0630 Lisa Klöpfer in Ebersbach mit Moola 002Lisa Klöpfer, bei DU: zuständig für den Vertrieb der Moola-Pflanzenkohle, vor der neuen Anlage am Standort Ebersbach. (FOTO: DU: willkommen)Die neue Anlage vom Hersteller NGE ist konstruktiv schlichter gehalten als die Vorgänger in Eislingen und soll dadurch wartungsärmer und im Betrieb kostengünstiger sein. Gleichzeitig übertrifft sie diese in der Leistung: Mit nur einem Reaktor erreicht sie bereits eine konstante Wärmeabgabe von 180 kW – fast so viel wie die zwei gekoppelten Reaktoren in Eislingen zusammen. Louis Strenkert, technischer Projektleiter der DU:-Gruppe, erläutert das Grundprinzip: „Wir produzieren aus Altholz und Grünschnitt Pflanzenkohle – in einem autarken System, das nahezu CO2-neutral ist.“

Als Inputmaterial dient ausschließlich sogenanntes A1-Altholz – unbehandelte Hölzer wie Europaletten oder Industrieabschnitte aus Gewerbebetrieben. Ziel ist eine jährliche Produktion von rund 1.000 Tonnen Pflanzenkohle der Marke „Moola“, die in Landwirtschaft, Biogasanlagen, Erdenwerken und zunehmend auch im Straßenbau eingesetzt wird. Pflanzenkohle gilt dabei als dauerhafter CO2-Speicher.

Die Abwärme der Anlage wird direkt weitergenutzt: Ein Trommeltrockner verarbeitet damit Etikettenschlamm aus der betriebseigenen PET-Recyclinganlage. Das feuchte Material kommt mit 55 Prozent Wassergehalt an und wird auf zwei Prozent Restfeuchte getrocknet – was das Transportgewicht nahezu halbiert und Entsorgungskosten deutlich senkt. Mittelfristig plant die Gruppe, die überschüssige Wärme über ein Nahwärmenetz auch an benachbarte Betriebe abzugeben.

Vorgestellt wurde die Anlagen kürzlich bei einem Besichtigungstermin, zu dem die Energieagentur Landkreis Göppingen rund 20 Unternehmer und Bürgermeisterinnen aus der Region eingeladen hatte. Denn auf demselben Betriebshof steht seit Anfang 2025 auch die Wasserstoffanlage des Augsburger Start-ups Green Hydrogen Technology (GHT), die ebenfalls eine bemerkenswerte Weiterentwicklung durchläuft.

Herzstück ist ein Flugstromreaktor, in dem nicht recycelbare Abfälle bei bis zu 1.600 Grad Celsius in Synthesegas umgewandelt werden. Daraus werden Wasserstoff und CO2 als verkaufsfähige Produkte gewonnen. Die Anlage ist auf eine Jahreskapazität von rund 1.000 Tonnen Inputmaterial und 100 Tonnen Wasserstoff ausgelegt.

Die eigentliche Neuigkeit: GHT richtet sich zunehmend auf sogenannte biogene und nicht biogene Bestandteile im Ersatzbrennstoffe (EBS) als Ausgangsmaterial aus – geschredderter, nicht recycelbarer Müll, der heute überwiegend in Zementwerken mitverbrannt wird. Für Entsorgungsbetriebe ist das bislang ein wirtschaftlich und ökologisch unbefriedigender Kreislauf. GHT-Geschäftsführer Robert Nave bringt es auf den Punkt: „Für die Entsorgungsbranche ist das ein Produkt, bei dem der Wert nicht vollständig genutzt wird, weil man das CO2 in die Luft abgibt und der Entsorger noch dies Art der thematischen Verwertung bezahlen muss.“ Die GHT-Anlage macht daraus stattdessen Wasserstoff und verwertbares CO2.

Die ETG bringt dabei ihr Wissen über Materialströme und Entsorgungslogistik ein, GHT die Umwandlungstechnologie. Das Projekt wird von der Region Stuttgart mit 4,3 Millionen Euro gefördert, das Gesamtinvestitionsvolumen liegt bei rund zwölf Millionen Euro.

Für die Besucher der Energieagentur dürfte der Nachmittag in Ebersbach eines deutlich gemacht haben: Auf diesem Betriebshof entstehen keine Zukunftsvisionen, sondern laufende Anlagen – die zeigen, wie Entsorgung und Energiewende ganz konkret zusammenwachsen können.

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