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Die ORCA in Hittfeld: Die Otto Dörner Recyclinganlage bereitet mineralische Bau- und Abbruchabfälle nass auf. Foto: STEINERT GmbH

Wie OTTO DÖRNER in Hittfeld aus Bauschutt Kieswerksware macht und welche Rolle zwei STEINERT MSort AP dabei spielen.

1105 Doerner3 simon guehlstorf otto doerner recycling site orcaSimon Gühlstorf ist Betriebsleiter der ORCA. Foto: STEINERT GmbHPlump gesagt stelle die ORCA in Hittfeld Sand und Steine her, sagt Simon Gühlstorf, Betriebsleiter der Anlage. Neue, muss man ergänzen. Was dort angeliefert wird, heißt rechtlich Abfall: Bauschutt aus dem Rückbau, Bodenaushub, mineralisches Material von Abrissunternehmen und Baufirmen. Was am anderen Ende der Anlage in den Radlader wandert, soll sich neben dem Kies aus dem Kieswerk behaupten. Mitte September waren es an einem Tag rund 500 Tonnen.

ORCA steht für Otto Dörner Recyclinganlage. Das norddeutsche Familienunternehmen mit rund 1.300 Mitarbeitenden betreibt sie als Nassaufbereitung für mineralische Bau- und Abbruchabfälle.

Gühlstorf hat das Verfahren schon in seiner Masterarbeit an der TU Hamburg gemeinsam mit Dörner untersucht. Den Arbeitsstil im Unternehmen beschreibt er mit zwei Wörtern, die zur Gegend passen: direkt und verbindlich. Man sagt, was man denkt, und man kommt vom Reden ins Handeln. Auch der Anlagenname folgt diesem Pragmatismus: Nassklassierungsanlage und Baustoffwaschanlage lassen sich im Projektalltag schlicht schlecht aussprechen.

Also wurde es ORCA, ein Name der Laien einen Zugang gibt und die richtige Botschaft trägt. Die Abkürzung RC für Recycling liest man in der Branche ohnehin überall.

1105 Doerner2 input material soil aggregate stockpiles recyclingDer Input: mineralisches Material aus Rückbau und Bauprojekten, wie es an der ORCA angeliefert wird. Foto: STEINERT GmbHVom Abfall zum Produkt

Das Material kommt von Abrissunternehmen und Baufirmen und wird schon vor der Annahme untersucht und deklariert.

Auf dem Annahmeplatz kippt der Sattelschlepper ab, der Radlader prüft die Ladung und beschickt damit die Anlage. In der Vorbehandlung wird das Größtkorn begrenzt, Stahl, Folien und Leichtstoffe kommen vorab heraus.

Dann kommt Wasser ins Spiel. Es trennt den Sand, der per Definition bei zwei Millimetern endet, von der gröberen Gesteinskörnung, eine Dichtetrennung holt Leichtes heraus, und es wäscht die Körner. Das Waschwasser nimmt dabei mit, was das Material im Leben aufgesammelt hat, von Betriebschemikalien bis zu handelsüblichen Bauprodukten.

Einleiten darf man es nicht, es muss wieder sauber werden. Deshalb besteht die halbe Anlage aus Wasseraufbereitung, und deshalb ist Gühlstorf auf den geschlossenen Kreislauf besonders stolz.

Für die folgenden Prozessschritte zählt, was das Waschen mit dem Material macht: Die Erde und der Sand, die den Input vorher einheitlich braun färben, sind abgespült, und jedes Korn zeigt wieder seine eigene Oberfläche. Ein Sieb kann diese Körner nach Größe ordnen. Es klassiert, sagt Gühlstorf, aber es sortiert nicht. Es weiß, wie groß ein Korn ist, aber nicht, was es ist.

1105 Doerner4 steinert msort ap orca sorting plant hittfeldDie STEINERT MSort AP erkennt die Körner per Farbkamera und trennt sie mit Druckluft in zwei Ströme. Foto: STEINERT GmbHWo die Farbe entscheidet

An dieser Stelle arbeiten zwei STEINERT MSort AP, eine für das Kornband von 8 bis 16 Millimetern und eine für 16 bis 32 Millimeter. Die Bänder sind bewusst eng gewählt, damit sich Größe und andere Stoffeigenschaften bei der Erkennung weniger überlagern.

Die Technik kannte Dörner bereits von der Schwester aus der Gewerbeabfallsortierung. Die Körner fallen an einer Kamera vorbei, die die Farbe der Oberfläche erkennt, und Druckluftdüsen lenken jedes Korn in den Strom, der zu seiner Farbe gehört. Weil die Körner frisch gewaschen sind, sieht die Kamera Unterschiede, die unter einer Schicht Erde unsichtbar wären. Die MSort AP ist zudem für feuchtes Material gebaut und braucht keine technische Trocknung.

Ein Zielprodukt, zwei nutzbare Ströme

Ein Beispiel: Basalt war das Zielprodukt, und er lief auf beiden Kornbändern. Im Strom steckten neben dem dunklen Gestein auch Rotklinker, Glas, Asphalt und Beton, die aus dem Basaltprodukt heraus müssen. Die Kamera erkennt sie an ihrer Farbe, die Druckluft trennt sie ab, und der Radlader verlädt am Ende den Basalt. Das Gute ins Töpfchen, das Schlechte ins Kröpfchen, so beschreibt es Gühlstorf: Aus einem Eingangsstrom werden zwei Ausgangsströme. Das Abgetrennte ist damit nicht automatisch Ausschuss, denn was gut und was schlecht ist, hängt vom Ziel ab. Welchen Strom man als Zielprodukt fährt, bestimmen Input und Sortierprogramm.

Wer das Programm ändert, bekommt einen anderen Materialmix mit Eigenschaften, die für andere Einsätze besser passen. So lässt sich rotes Gestein entfernen, gezielt schwarze Gesteinskörnung herstellen oder Glas und Asphalt trennen: Alles, was stofftypisch eine eigene Farbe hat.

Was dabei herauskommt, lässt sich wie ein Primärrohstoff im Bau verwenden, zum Beispiel als Zuschlagstoff für Beton. Die Menge reicht, um ein Betonwerk kontinuierlich zu beliefern, damit es nicht an einem Tag Material gibt und am nächsten keines.

Für Gühlstorf zählt die Norm

Gühlstorf bezeichnet sich als gutmütigen Typ, aber bei der Qualität ist er genau: Für ihn zählt die Norm, und wenn das Material in der Norm liegt, ist er zufrieden. Bei Rotklinker in grauem oder schwarzem Material erreicht die ORCA weniger als 10 Prozent Fremdstoff. Bei Glas liegt der Fremdanteil im Produkt sogar unter einem Prozent. Bei Asphalt und Glas ruht er sich damit nicht aus, dort gilt für ihn: mehr ist mehr.

Dass die Sortierung das schaffen würde, wusste Dörner nicht erst im Betrieb. Bevor die erste Maschine gekauft war, testete das Team die Hauptaufgaben der Anlage im STEINERT Technikum in Wedel, dem Ort, an dem Dörner 1932 als Transportunternehmen angefangen hat. Das Ergebnis: Mit den MSort wird die Norm erreicht. Gühlstorf erinnert sich an viel Geduld und Beratung, noch bevor überhaupt etwas bestellt war. Auch Errichtung und Montage liefen ohne Klagen, Termine wurden eingehalten und die Einbauanweisungen waren vernünftig.

Eine Anlage, die weiterlernt

Der Tag, an dem Gühlstorf ein Stein vom Herzen fiel, war der, an dem der theoretische Prozess in der Praxis funktionierte. Seit Herbst vergangenen Jahres läuft die Inbetriebnahme, technisch ist die Anlage im Regelbetrieb angekommen. Die grundsätzlichen Sortieraufgaben erfüllen, was er sich vorgestellt hatte. Jetzt geht es um das Feintuning mit den Technikerinnen und Technikern von STEINERT und um Dinge, die sich auf dem Papier nicht planen lassen: Bandübergaben, Stellen, an denen sich Dreck sammelt oder der Verschleiß zu hoch ist. Gemessen wird an Durchsatz, Produktqualität und der Vielfalt der Produkte.

Recycling werde die klassischen Kiesvorkommen früher oder später ablösen, davon geht Gühlstorf aus, weil der Druck auf die Flächen steigt. Die sechziger und siebziger Jahre, in denen man für wenig Geld große Flächen nahe der Metropolen kaufen und einen Tagebau eröffnen konnte, seien vorbei. Seinen Rat an andere, die vor einem ähnlichen Projekt stehen, fasst er so zusammen: einfach anfangen und nicht den Mut verlieren. Dann wird es am Ende schon gut.

Quelle: STEINERT GmbH

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