Über 90 % Recyclingquote im Stadion – und neue Impulse für die Branche: Mit einer Recyclingquote von über 90 Prozent setzt die PreZero Arena der TSG 1899 Hoffenheim Maßstäbe für die Kreislaufwirtschaft im Großveranstaltungsumfeld des Profisports. Gleichzeitig wurde sie am 19. März zum Treffpunkt für 34 Recycling-Managerinnen des bvse-Frauennetzwerks, das an einem weiteren zentralen Zukunftsthema der Branche arbeitet: mehr Sichtbarkeit, stärkere Netzwerke und gezielte Förderung von Frauen.
Für das Frauennetzwerk gemeinsam am Ball: Verena Hoffmann und Sabine WeberAnstoß für mehr Sichtbarkeit und Netzwerkstärke ⚽
Das bvse-Frauennetzwerk, gegründet im September 2023, entwickelt sich zunehmend zu einer Plattform für Austausch und berufliche Weiterentwicklung in der Recycling- und Entsorgungswirtschaft.
Ziel ist es, Frauen in der Branche sichtbarer zu machen und gezielt in ihrer Karriere zu stärken.
Vorständin Verena Hoffmann berichtete zu Beginn des Workshoptreffens erfreut über das stetig wachsende bvse-Frauennetzwerk, das rund 2,5 Jahre nach seiner Gründung bereits 320 Frauen aus den bvse-Mitgliedsunternehmen umfasst.
Vorständin Verena Hoffmann (li.), Iris Niendorf (re.)„Das große Interesse und die Vielfalt und Stärke der Beiträge, die uns im Rahmen unserer Mitmachaktion zum Weltfrauentag am 8. März unter dem Motto ‚Give to Gain‘ erreicht haben, zeigen, wie wichtig Sichtbarkeit und gegenseitiges Empowerment für die Managerinnen unserer Branche sind“, so Hoffmann.
Ein starkes Statement setzte auch Iris Niendorf (Doppstadt), die als Gewinnerin dieser Aktion ausgelost wurde: „Frauen müssen sich nicht verstecken – egal in welcher Branche oder Position. Man kann nur gewinnen, wenn man sichtbar ist und für sich einsteht.“
Die folgenden Berichte aus dem Profisport verdeutlichten, dass diese Herausforderungen branchenübergreifend bestehen.
Melanie Fichtner, TSG 1899 HoffenheimVom Spielfeldrand in die Führungsetage
Einen persönlichen und zugleich inspirierenden Impuls setzte Melanie Fichtner, Geschäftsleiterin für IT, Digitales, KI, Organisation sowie People & Culture bei der TSG 1899 Hoffenheim.
Sie schilderte ihren Weg von der IT-Beratung in einer männerdominierten Branche bis in die heutige Führungsposition als Geschäftsleiterin bei der TSG 1899 Hoffenheim.
Rückblickend stellte die Managerin fest, dass Frauen sich auf ihrem Karriereweg auch heute noch immer stärker beweisen müssen.
Ihr Fazit: „Frauen wollen für ihre Leistung gesehen werden“, so Fichtner. Netzwerke, Mentoring und gegenseitige Unterstützung seien zentrale Hebel, um diese Hürden zu überwinden – insbesondere für den beruflichen Erfolg in technischen und leitenden Funktionen.
Dr. Lena Steindorf vom TSG ResearchLabNeue Perspektiven – Forschung für mehr Chancengleichheit 🔎
Einen wissenschaftlichen Impuls setzte Dr. Lena Steindorf vom TSG ResearchLab. Die Einrichtung verknüpft sportwissenschaftliche, medizinische und technologische Erkenntnisse mit dem Ziel, Leistungsfähigkeit und Gesundheit datenbasiert weiterzuentwickeln.
In ihrem Vortrag zum „Gender Data Gap“ zeigte Steindorf, dass viele Daten bislang auf männlichen Referenzwerten basieren – mit konkreten Auswirkungen auf Trainingsmodelle, Prävention und Arbeitsbedingungen.
Ihr Appell: Geschlechterspezifische Daten stärker berücksichtigen und Frauen systematisch in Forschung und Entwicklung einbeziehen. Eine Erkenntnis, die auch für die Recyclingbranche von hoher Relevanz ist. Wer Zukunft gestalten will, muss Vielfalt systematisch mitdenken.
Road to Zero Waste der TSG 1899 Hoffenheim in der Praxis: Über 90 % Recyclingquote als Benchmark für die Kreislaufwirtschaft
Mit der PreZero Arena hat die TSG 1899 Hoffenheim gemeinsam mit dem Umweltdienstleister PreZero die erste Zero-Waste-zertifizierte Spielstätte der Bundesliga in Europa entwickelt.
Grundlage ist eine strategische Partnerschaft, in der beide Seiten ihre Kernkompetenzen gezielt bündeln.
Als offizieller Nachhaltigkeitspartner bringt PreZero umfassendes Know-how zu Stoffströmen, Verwertungswegen sowie Verwertungsmengen und -erlösen ein und integriert innovative Lösungen in die operativen Abläufe. Die TSG 1899 Hoffenheim ergänzt dies durch ihre Rolle als Plattform mit hoher Reichweite sowie durch detaillierte Kenntnisse der stadioninternen Prozesse und Anforderungen von Mitarbeitenden, Dienstleistern und Fans. Ziel ist es, Kreislaufwirtschaft nicht nur umzusetzen, sondern auch sichtbar zu machen und das Bewusstsein für Ressourcenschonung nachhaltig zu stärken.
Cerstin Fröschle von der GreenCycle GmbH (PreZero-Gruppe)Wie dieser Ansatz in der Praxis funktioniert, erläuterte Cerstin Fröschle von der GreenCycle GmbH (PreZero-Gruppe) und machte deutlich: „Zero Waste ist kein Sprint, sondern ein Marathon“.
Grundlage bildet die mit dem TÜV SÜD gemeinsam entwickelte DIN SPEC 91436 – ein zertifizierbares Managementsystem, das ökologische, ökonomische und soziale Ziele gleichermaßen berücksichtigt. Der Weg dorthin folgt einem klar strukturierten Prozess: von der Analyse der Abfallströme über die Optimierung von Trennsystemen und Prozessen bis hin zu kontinuierlichen Audits und Zertifizierungen.
Ein Meilenstein war die Entwicklung der PreZero Arena zur Zero-Waste-Arena: Nach der Erstzertifizierung im April 2023 mit Bronzestatus wurde im April 2024 bereits die offizielle Silber-Zertifizierung der PreZero Arena sowie der Geschäftsstelle durch den TÜV SÜD, mit einer Recyclingquote von über 90 Prozent, erreicht.
Der Silber-Status der TSG unterstreicht damit den bereits hohen Standard im Abfall- und Wertstoffmanagement – mit dem klaren Ziel, Abfälle konsequent zu vermeiden und Materialien im Kreislauf zu halten. Die DIN SPEC 91436 definiert drei Zertifizierungsstufen: Bronze (ab 85 Prozent), Silber (ab 90 Prozent) und Gold (ab 95 Prozent Recyclingquote).
Zu den zentralen Maßnahmen auf dem Weg zu Zero Waste zählen differenzierte Trennsysteme, die konsequente Umstellung auf Mehrweg sowie ein einheitliches Farb- und Kennzeichnungssystem im gesamten Stadion.
Entscheidend für den Erfolg ist insbesondere die Einbindung aller Beteiligten: Mitarbeitende, Dienstleister und Fans werden aktiv eingebunden und geschult. „Betroffene zu Beteiligten machen“ ist dabei ein zentraler Hebel, hob Fröschle hervor.
Anneke Siebert, TSG 1899 HoffenheimVerbindung schafft Veränderung – Nachhaltigkeit und Geschlechtergerechtigkeit im Profisport
Wie Nachhaltigkeit im Profisport strategisch verankert wird, erläuterte Anneke Siebert. Unter dem Leitmotiv „TSG ist Bewegung“ verfolgt die TSG 1899 Hoffenheim ambitionierte Klimaziele – von der Halbierung der Emissionen bis 2030 bis zur Klimaneutralität bis 2040.
Der Verein versteht sich dabei bewusst als Multiplikator für Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. Gleichzeitig wird Nachhaltigkeit ganzheitlich gedacht und schließt soziale Aspekte ausdrücklich ein.
Ein Fokus liegt dabei auf Diversity, Equity & Inclusion sowie der gezielten Förderung von Frauen im Sport und in Führungspositionen.
Auch im Bereich Geschlechtergerechtigkeit setzt die TSG konkrete Maßstäbe: So wurde 2025 als Novum in der Bundesliga eingeführt, dass Profifußballerinnen im Falle einer Schwangerschaft automatisch eine Vertragsverlängerung um ein Jahr erhalten. Darüber hinaus engagiert sich der Verein mit gezielten Maßnahmen für mehr Sichtbarkeit und Förderung von Mädchen und Frauen im Sport – etwa durch spezielle Mädchenfußballcamps oder thematische Spieltage, die beispielsweise auf Brustkrebs aufmerksam machen.
Damit zeigt die TSG 1899 Hoffenheim, dass nachhaltige Transformation über ökologische Maßnahmen hinausgeht: Sie verbindet Klimaschutz mit gesellschaftlicher Verantwortung und schafft so neue Impulse für eine ganzheitlich gedachte Nachhaltigkeit, machte Siebert deutlich.
Souverän auftreten – Recycling-Frauen stärken ihre Position
Stephanie Krämer leitete den KommunikationsworkshopNach einer geführten Stadiontour mit interessanten Einblicken hinter die Kulissen der PreZero Arena stand am Nachmittag des bvse-Frauennetzwerktreffens die persönliche Weiterentwicklung im Fokus.
Kommunikations-Coach Stephanie Krämer vermittelte praxisnah, wie Frauen in Verhandlungen souverän auftreten, Gesprächsdynamiken steuern und ihre Positionen klar vertreten. Der direkte Transfer in den Berufsalltag machte den Workshop für die Teilnehmerinnen besonders wertvoll.
Fazit: Am Ball bleiben und Spielfeld verändern
Der Workshop des bvse-Frauennetzwerkes in Sinsheim hat gezeigt, wie stark fachlicher und branchenübergreifender Austausch, nachhaltige Innovationen und gezieltes Empowerment ineinandergreifen.
Für die Recycling- und Kreislaufwirtschaft wird deutlich: Zukunftsfähigkeit entsteht nicht nur durch Technologien und Prozesse, sondern auch durch Vielfalt, Sichtbarkeit und starke Netzwerke.
Oder, wie es eine Teilnehmerin sinngemäß formulierte: Die Recyclingfrauen bleiben am Ball – und gestalten das Spielfeld der Branche aktiv mit.
An dieser Stelle - ein herzliches Dankeschön an die TSG 1899 Hoffenheim und PreZero für die Gastfreundschaft und die inspirierenden Einblicke – ein starkes Beispiel dafür, wie Zusammenarbeit neue Perspektiven eröffnet.
„Verbindung schafft Veränderung"– das gemeinsame Commitment des bvse-Frauennetzwerks für Austausch, Stärke und Fortschritt.