Nach einem durchwachsenen Jahr 2025 stabilisiert sich die Konjunktur in der Abfall- und Recyclingtechnik. Die aktuelle Konjunkturumfrage des VDMA Fachverbands Abfall- und Recyclingtechnik zeigt: Die Auftragseingänge entwickeln sich 2026 deutlich positiv und auch der Branchenumsatz legt wieder zu.
Frankfurt, April 2026 – Abfall- und Recyclingtechnik sind auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gefragt: Für das laufende Jahr erwarten die Hersteller laut Umfrage ein Umsatzwachstum von nominal 2,3 Prozent, nachdem 2024 noch ein leichter Rückgang von 1,3 Prozent verzeichnet wurde. Bereits 2025 zeigte sich mit einem Plus von 1,5 Prozent eine erste Erholung. Erfreulich entwickelt sich aktuell der Auftragseingang, der nach einem Minus von real 0,8 Prozent im Jahr 2024 bereits im vergangenen Jahr wieder um 2,2 Prozent zulegte. Für dieses Jahr rechnen die Hersteller sogar mit einem Orderzuwachs von 4,5 Prozent.
„Die Zahlen zeigen, dass sich unsere Branche trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen behauptet. Der Investitionsbedarf in moderne Recycling- und Abfallbehandlungsanlagen ist weiterhin hoch – sowohl aus ökologischer als auch aus regulatorischer Sicht“, erklärt Michael Ludden, Vorsitzender des Fachverbands Abfall- und Recyclingtechnik.
Exportmärkte im Wandel
Mit einer prognostizierten Exportquote von 70 Prozent im Jahr 2026 bleibt das Auslandsgeschäft die zentrale Säule der Branche. Damit gewinnen die Ausfuhren erneut an Bedeutung, nachdem der Auslandsanteil im Jahr 2025 noch bei 65 Prozent gelegen hatte.
Mit Blick auf die einzelnen Märkte legen insbesondere die EU-Staaten weiter zu: Geschätzte 60 Prozent der Ausfuhren in der Abfall- und Recyclingtechnik entfallen auf diese Region, während es im Vorjahr erst 47,8 Prozent waren.
Dagegen verlieren andere Regionen teilweise deutlich an Bedeutung. Nach der aktuellen Prognose für das Jahr 2026 sinkt der Exportanteil der Nicht-EU-Länder auf 7,8 Prozent, nachdem er im Vorjahr noch bei 10,3 Prozent gelegen hatte. Nordamerika bleibt mit 9,0 Prozent weiterhin der wichtigste Markt nach der EU, verzeichnet jedoch gegenüber dem Vorjahreswert von 12,3 Prozent einen spürbaren Rückgang.
Großbritannien senkt, nach derzeitiger Einschätzung, seinen Exportanteil moderat auf 4,4 Prozent. Deutlich im Rückgang ist auch der Handel mit dem Mittleren Osten, dessen Anteil sich von 8,4 Prozent im Jahr 2025 auf 4,2 Prozent im Jahr 2026 nahezu halbiert hat. Auch China verliert an Bedeutung und dürfte seinen Anteil auf 0,6 Prozent senken, nachdem er 2025 noch bei 2,3 Prozent lag.
Asien zeigt sich mit einem prognostizierten Exportanteil von 8,2 Prozent weitgehend stabil gegenüber dem Vorjahr.
„Wir beobachten eine zunehmende geografische Diversifizierung der Nachfrage. Viele internationale Märkte investieren verstärkt in Recyclinginfrastruktur, um Abhängigkeiten von Primärrohstoffen zu reduzieren und eigene Stoffkreisläufe aufzubauen“, sagt Ludden.
Auftragsreichweite weiterhin solide – Kapazitätsauslastung sinkt leicht
Die geschätzte Auftragsreichweite liegt im Jahr 2026 bei 7,1 Monaten und damit weiterhin auf einem guten Niveau, unterschreitet jedoch den Vorjahreswert von 7,7 Monaten. Gleichzeitig sinkt die Kapazitätsauslastung von 87 Prozent auf aktuell 81 Prozent.
Diese Entwicklung deutet auf eine zunehmend vorsichtige Produktionsplanung vieler Unternehmen hin – auch vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten, hoher Finanzierungskosten und verzögerter Genehmigungsverfahren.
Arbeitsmarkt: Anpassungen und Normalisierung
Die Beschäftigtenentwicklung in der Abfall- und Recyclingtechnik zeigt 2026 ein differenziertes Bild. Rund 20 Prozent der Unternehmen planen einen Personalaufbau, während 30 Prozent mit einem Stellenabbau rechnen. Etwa die Hälfte der Unternehmen möchte die Mitarbeitendenzahl konstant halten. Damit reagiert die Branche auf eine zurückhaltendere Investitionsdynamik sowie auf eine insgesamt vorsichtigere Geschäftserwartung.
„Der Fachkräftemangel hat sich im Vergleich zu den vergangenen Jahren etwas entspannt. In einzelnen Segmenten erleben wir derzeit sogar eine stärkere personelle Anpassung an die aktuelle Auftragslage“, erklärt Dr. Sarah Brückner, Geschäftsführerin des Fachverbands Abfall- und Recyclingtechnik.
Dabei komme es teilweise zu Verschiebungen innerhalb der Branche: Fachkräfte, die bei einzelnen Unternehmen freigesetzt werden, finden bei Wettbewerbern oder in angrenzenden Technologiebereichen wieder Beschäftigung. „Trotz dieser Entspannung bleibt qualifiziertes Personal ein strategischer Faktor – nicht als akuter Engpass, sondern mit Blick auf künftige Wachstumsphasen und technologische Anforderungen“, erläutert Dr. Brückner.
Regulatorische Rahmenbedingungen belasten Investitionen
Unverändert kritisch bewertet der Fachverband die regulatorischen Rahmenbedingungen für die Branche. Langwierige Genehmigungsverfahren und ein hoher bürokratischer Aufwand verzögern Projekte und erschweren Investitionsentscheidungen – sowohl im Inland als auch im europäischen Kontext. „Unsere Unternehmen investieren konsequent in Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Energieeffizienz. Die Planbarkeit von Investitionen würde durch schlankere Genehmigungsprozesse und weniger administrativen Aufwand deutlich verbessert“, betont die Fachverbands-Geschäftsführerin.
Ausblick
Die Abfall- und Recyclingtechnik bleibt ein zentraler technischer Enabler der Kreislaufwirtschaft. Langfristige Wachstumstreiber wie strengere Umweltauflagen, steigende Recyclingquoten und der geopolitisch motivierte Wunsch nach Rohstoffsouveränität sorgen für eine grundsätzlich robuste Perspektive – auch wenn das Marktumfeld kurzfristig herausfordernd bleibt.
Für das Jahr 2026 mehren sich jedoch die Anzeichen einer schrittweisen Belebung, die durch die aktuell in München stattfindende IFAT zusätzlich gestützt werden. Hohe Fachbesucherqualität, intensive Gespräche und konkrete Projektanbahnungen vermitteln dabei zunehmende Zuversicht für das laufende Jahr.
Quelle: VDMA